Interview mit Birgitte Lersbryggen  

"Die Schweiz hat keine Chance gegen uns!"

22. Mai 2003, 02:07  / null

Sie ist der grosse Star der Norwegischen Nationalmannschaft. Birgitte Lersbryggen, 28 Jahre, 1, 85 m gross mit viel Gefühl für Ball und Stock. Eine Ausnahmekönnerin, die verbal viel austeilt aber auch viel einstecken muss. Ihre Freunde nennen sie "Big" und dieser Namen allein spricht für sich...die Grosse...Ihre Geniestreiche können spielentscheidend sein, ihre Temperamentausbrüche führen oft zu Diskussionen und hinterlassen ein völlig falsches Bild einer Frau, welches nur eines im Kopf hat: die Beste zu sein und immer gewinnen! Giovanni Marti hat sich mit Birgitte Lersbryggen unterhalten.

Gratuliere zum Gruppensieg. Ihr habt Euch gegen alle Gruppengegner durchgesetzt. Bist Du überrascht?

Eigentlich schon etwas, denn wenn man Schweden als Gruppengegner hat, kann man nicht davon ausgehen, die Gruppe zu gewinnen. Wir haben es geschafft und sind sehr zufrieden. Besonders schön war für uns natürlich der Sieg gegen Schweden

In den Halbfinals wartet wie schon an der WM 1999 die Schweiz. Damals gewannen die Schweizerinnen 4:0. Was für ein Spiel erwartest Du am Freitag?

Gegen die Schweiz zu spielen ist immer schwer. Die Schweizerinnen sind stark und wir müssen aufpassen. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir uns in Bern für die Halbfinalniederlage von Borlänge 1999 revanchieren werden. Wir werden gewinnen. Wir waren auch in Borlänge die klar bessere Mannschaft...wir wurden von den Schiedsrichtern damals klar benachteiligt. Das sagte ich damals und dazu stehe ich heute noch.

Du sagtest auch damals, dass die Schweizerinnen chancenlos sein würden gegen Norwegen und hast vor allem im Schweizer Team für viel Diskussionsstoff gesorgt. Dann kam es zum berühmten Rencontre zwischen Dir und Mirca Anderegg...alles vergessen oder wie sieht es aus?

...wir werden gewinnen...und was Mirca betrifft: es ist alles vergessen. Wir haben mal darüber gesprochen und inzwischen sind wir auch vier Jahre älter und reifer geworden. Wir waren damals jung...da können so Sachen passieren.

Im Spiel gegen die Schweiz wirst Du auf Deine Mannschaftskollegin bei Balrog Marisa Mazzarelli treffen. Ein spezielles Spiel oder vergisst man da alles?

Es wird sicherlich ein spezielles Spiel. Aber ich spiele für Norwegen und "Mazzi" für die Schweiz. Wir sind Rivalen.

Wie ist Dein Verhältnis zu Marisa?

Sehr gut, wir verstehen uns ausgezeichnet. Wir unternehmen auch viel miteinander in unserer Freizeit. Sie ist ein Phänomen. Sie hat so schnell eine neue Sprache gelernt und spricht ausgezeichnet schwedisch. Spielerisch hat sie sich während der Saison von Spiel zu Spiel gesteigert. Sie wurde immer besser. Sie ist wirklich ein toller Mensch. Sie hatte zu Beginn etwas Mühe Fuss zu fassen, aber sie hat sich gut eingelebt bei uns. Ich bin froh, dass sie noch ein Jahr bleibt.

Man spricht viel über Dich, Du stehst oft im Rampenlicht. Man sagt von Dir Du seist ein schwieriger Mensch, Du seist eine Provokateurin. Wie reagierst Du auf solche Aussagen?

Zuerst will ich festhalten, dass ich nicht anders bin als andere. Ich sage nun mal immer was ich denke. Manchmal verstehen es die Leute falsch, diejenigen die mich kennen aber wissen wie ich wirklich bin. Wenn man im Rampenlicht steht muss man sich einiges gefallen lassen. Manchmal gibt es mir schon zu denken, aber im Prinzip prallt es an mir ab. Ich bin froh, wenn man über meine spielerischen Qualitäten spricht. Alles andere.....ist egal

Ist es in Deinem Fall schwierig ein Star zu sein?

Wenn Du besser bist als andere hast Du stets neider...das ist auch im normalen Leben so...wie gesagt, ich kann damit umgehen.

Was denkst Du über das Schweizer Damen-Unihockey. Du hast selber in der Saison 1997/98 bei Flamatt gespielt. Was hast Du für einen Eindruck?

Das Schweizer Damen-Unihockey hat sich bedeutend weiterentwickelt und vor allem sehr verändert. Damals bei Flamatt, da wurde mir ein Job versprochen. Doch schlussendlich habe ich mich darum gekümmert...heute weiss ich von Mazzi und Hermine Dahlerus, die mal bei Chur gespielt hat, dass sich einiges geändert hat...es ist seriöser geworden das Ganze. Die Schweiz ist zurecht eines der erfolgreichsten Unihockey-Länder der Welt.